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(18.06.05 18:30)
Es ist also wieder soweit: nemo macht Ferien. Und in diesem Jahr fahren wir so richtig in den Urlaub ans Meer und nicht bloss für eine Woche; das ist neu! Und auch das ist eine Premiere: Ich lasse mein Notebook zu Hause; einzig unser altes iBook darf mit, damit wir unsere Fotos wo unterbringen und ins Internet können; arbeiten ist nicht, das habe ich mir und meiner Familie versprochen.
Aber bevor es losgehen kann, ist da natürlich – wie sollte es anders sein – in letzter Minute noch eine Menge zu erledigen, trotz Planung. Wen sollte es auch überraschen: am Ende hat Vater Zufall das Zepter fest in der Hand und bringt die schönen Pläne ordentlich durcheinander. Aber das kennen wir ja alle! Irgendwann ist dann alles mehr oder weniger erledigt und den einen oder anderen Punkt streicht man einfach unerledigt von seiner Liste, der Urlaub ruft immer lauter.
Nun steht nur noch eine Aufgabe zwischen mir und den Ferien: das Verladen des Gepäcks!
Wie in jedem Jahr ist das Verstauen des Gepäcks im Auto ein Aufgabe, der ich mit gemischten Gefühlen entgegen sehe; dabei durchlaufe ich verschiedene Stadien, die insgesamt etwas Manisch-Depressives haben. So ungefähr eine Woche vor dem Reisetermin taucht vor meinem geistigen Auge das erste Mal dieser bunte Berg an Gepäckstücken und Einrichtungsgegenständen auf, die mitzunehmen und daher einzupacken sind. Dieser erste geistige Kontakt lässt mich innerlich zusammen sinken. Doch dann fasse ich mich, gewillt, diese Herausforderung zu meistern. Instinktiv beginne ich sogleich damit, diesen Haufen Zeugs in deren zwei zu teilen: Auf dem ersten landet alles, was sich problemlos verstauen lässt; gutes Gefühl. Auf Haufen Zwei kommt alles zu liegen, was gross und sperrig ist. Zufrieden schaue ich dann auf den ersten Haufen und mich packt so etwas wie Übermut. In diesem kurzen Moment schöpfe ich Hoffnung: unser Auto bietet Platz genug; alles, was wir tun müssen, ist das eine oder andere da zu lassen. Doch plötzlich höre ich die Stimme meiner Frau, die überzeugend darlegt, dass wir alles, aber auch wirklich alles brauchen! Unerbittlich zieht es meinen Blick nun in Richtung des viel zu grossen zweiten Haufens, und ich sehe mich bereits Dachkoffer, Anhänger oder Kleinlaster anschaffen. Verzweiflung beginnt sich bahn zu brechen und im letzten Moment – kurz bevor der grosse Haufen auf mich einzustürzen droht - hilft mir mein Gehirn aus der Patsche und schaltet auf Verdrängung.
In den kommenden ein oder zwei Tagen beginne ich mich nun so richtig auf den Urlaub zu freuen: Ich sehe mich am Strand mit den Kindern spielen, entspannt ein Buch lesen und all die schönen Dinge tun, die der Urlaub hoffentlich für uns bereit hält. An das Gepäck denke ich dabei keinen Augenblick, Hochstimmung pur.
Doch dann beginnt die Mauer des Verdängens langsam zu bröckeln, es zeigen sich erste feine Risse und ich weiss, bald wird die ganze Mauer einstürzen! Und was dahinter hervor kommen wird, weiss ich auch: dieser vermalledeite Riesenhaufen aus Kinderbett, Kindersitz, Kinderwagen, Sonnenschirm, einem prall vollen Zuber mit Bett- und Badewäsche und was es sonst noch alles braucht, wenn eine fünfköpfige Familie in die Ferien fährt, ans Meer .
So geht das jedesmal: Hoffnung und Verzweiflung wechseln sich ab und stürzen mich in ein Wechselbad der Gefühle.
Diesmal habe ich dann zwei Tage vor unserer Abreise einen wundervollen Traum: Ich habe es geschafft! Alles sicher verstaut! Zufrieden gehe ich um unser Auto herum, was sage ich, ich hüpfe förmlich. Und plötzlich sind auch alle Nachbarn da, nicken anerkennend – die Männer mit einem Funken Neid im Blick - und fangen sogar an zu applaudieren. Ich lächle gerührt und verbeuge mich dankbar für diese willkommene Aufmunterung. Doch noch während ich meinen Oberkörper sanft in einer Verbeugung neige, spüre ich plötzlich eine Hand auf meine Schulter, die mich sanft rüttelt. Mit einem Schlag bin ich wach, die sanft rüttelnde Hand auf meiner Schulter ist immer noch da; sie gehört meiner Frau, die mich fragend ansieht. Das kann ich durchaus verstehen, denn ich sitze aufrecht im Bett, den Kopf leicht nach links geneigt, den rechten Arm vor die Brust gelegt, den Oberkörper gerade in einer neuerlichen Verbeugung begriffen. Verlegen grinse ich meine Frau an, murmle etwas von Morgengymnastik und stehe rasch auf. Mist, denke ich, während ich unter die Dusche gehe, und der grosse Haufen sich mehr und mehr in mein Bewusstsein drängt.
Heute war es dann soweit: Zeit einzupacken! Und ich habe gepackt, habe alles gegeben. Hab Variante um Variante versucht, bis ich schliesslich alles – ja, da staunt Ihr – wirklich alles erfolgreich verstaut hatte, jeden Zentimeter unseres Sharans erbarmungslos ausnutzend. Es war fast wie in meinem Traum, nur die Nachbarn waren nicht dabei, und so habe ich mich einfach still gefreut; Südfrankreich wir kommen!
Da habe ich mich dann doch noch dazu entschlossen, ein nemos log zu schreiben; zu gut war dieses Gefühl des Erfolgs, als dass ich die Geschichte hätte für mich behalten können. Und als ich nun schon fast am Ende bin und nach einem guten Abschluss suche, der meiner Vorfreude auf den Urlaub gebührend Ausdruck verleiht, ohne gegenüber den Daheimbleibenden als Häme zu wirken, als ich also zufrieden, ein munteres Liedchen summend, gerade meine letzten Zeilen tippen will, da steht meine Frau in der Tür und fragt: "Du, warum hast du eigentlich den grossen Koffer nicht eingeladen?"
-nemo :-)
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