(23.03.04 05:30)

Metaphern sind unbestritten eine gute Sache. Doch manchmal sind sie auch gefährlich:

Architekur: Diese Metapher legt den Vergleich mit dem Bauen von Häusern nahe. Das ist ungeschickt, da sich das Bauen eines Hauses doch wesentlich von Software-Entwicklung unterscheidet. Während beispielsweise beim Hausbau die Material- und Baukosten um ein Vielfaches höher sind als das Architektenhonorar, ist die Bauphase (Compilieren/Linken) in der Software-Entwicklung praktisch gratis. Zudem weisen Gebäude eine wesentlich höhere Änderungsstabilität auf.

Software-Projekt: Projekte als geplante Störungen des betrieblichen Alltags werden begonnen und beendet; letzteres hoffentlich erfolgreich. Software ist dagegen ein Aktivposten, den es zu bewirtschaften gilt. Die projektorientierte Sicht führt zu einer subtilen Verschiebung in der Wahrnehmung, die dazu verleitet, das Ziel im Abschluss der Arbeit zu sehen, anstatt darin, etwas zu erschaffen, das wachsen und gedeihen kann und zur Wertschöpfung beiträgt. In diesem Zusammenhang steht eine weitere gefährliche Metapher:

Software-Wartung: Software ist nie fertig, sie ist im besten Fall angemessen und erfüllt ihren Zweck. Wartung bedeutet nichts anderes als kontinuierliche Weiterentwicklung.

Software-IC: So etwas wie den integrierten Schaltkreis in Software gibt es nicht. Hardware versagt ihren Dienst, wenn man sie nicht wartet. Software dagegen macht nicht selten genau dann Probleme, wenn man dies tut.

Es lohnt sich also, die gängigen Metaphern kritisch zu hinterfragen und sie nicht einfach unreflektiert zu übernehmen.

-nemo :-)

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Testaufwand Kleine und grosse Geheimnisse

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