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(03.04.05 14:05)
Haben Sie das auch schon erlebt? Sie haben eine Idee gehabt oder einen Lösungsvorschlag erarbeitet und beschliessen, die Sache ihren Teamkollegen zur Diskussion vorzulegen. Worauf Sie dabei hoffen, ist konstruktive Kritik. Was Sie dann aber tatsächlich erhalten, ist nutzlose Kritik. Nutzlos darum, weil keine auf Verständigung und Verstehen ausgerichtete Diskussion zu Stande kommt. Stattdessen nimmt die als "fachliche Disksussion" getarnte Auseinandersetzung bald die Züge eines Stellungskampfes an, bei dem nicht der sachliche Diskurs im Vordergrund steht sondern das Verfechten und Verteidigen persönlicher Vorlieben und Abneigungen, oft begleitet von einer mehr oder weniger stark zum Ausdruck gebrachten Ablehnung gegen über Neuem, das nicht von einem selber stammt.
Es ist nicht immer leicht, unnütze Kritik zu erkennen, da sie oft gut getarnt daher kommt. Wohl allen bekannt und daher meist leicht zu entdecken sind die Killerphrasen: Aussagen wie "Das funktioniert nicht!" oder - schon subtiler - ein als Ich-Botschaft getarntes "Ich sehe nicht, dass das so gehen kann." sind dazu geneigt, den sachlichen Diskurs rasch in einen dysfunktionalen Streit über Standpunkte zu verwandeln.
Eine weitere Form der unnützen Kritik verwendet ein so genanntes Strohmann-Argument, bei dem sich die Kritik auf eine Aussage bezieht, die so nie gemacht worden ist. Eine solche Argumentation läuft in etwa nach folgendem Muster ab:
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Person A vertritt Standpunkt X. |
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Person B beschreibt eine verzerrte Version Y von Standpunkt X. |
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Person B attackiert diese verzerrte Version Y und erklärt dabei Position X für falsch. |
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Ein Beispiel: Peter schlägt vor, die Übergabewerte in einer Funktionen nur dann zu prüfen, wenn sie nicht unmittelbar in der Funktion verwendet werden. Jan kontert diesen Vorschlag mit dem Argument: "Ich halte es für gefährlich, aus Bequemlichkeit einfach auf die Überprüfung von Eingabewerten zu verzichten." Solche Strohmann-Argumentationen sind Gift für eine auf Vertrauen basierte Kommunikation und verhindern eine offene und faire Gesprächskultur. Gerade weil die eigentliche Position, die zur Diskussion steht, gar nicht wirklich kritisiert wird, ist diese Form der unnützen Kritik oft nur schwierig zu entdecken.
Neben dem Strohmann-Argument gibt es noch eine Vielzahl anderer schädlicher Argumentationsformen, die letztlich alle in unnützer Kritik münden. Eine interessante Sammlung gängiger solcher Argumentationstrugschlüsse findet sich beispielsweise hier: The Nizkor Project.
Eine Form der unnützen Kritik wird übrigens immer wieder vergessen und bleibt daher oft unentdeckt: Es gibt nämlich Menschen, die üben Kritik auf unerhörte Art, indem sie die Argumente der anderen einfach ignorieren und schweigen. Gegen diese Form der stummen Kritik ist es nicht einfach anzukommen, denn die schweigsamen Kritiker sind vielfach nur schwer zum Reden zu bewegen.
Es gibt natürlich auch Zeitgenossen, die stellen eine Idee offiziell zur Diskussion, erwarten dabei aber ausschliesslich Zustimmung und ja keine Kritik. Da mag das schweigende Äussern von Kritik zwar verständlich sein, dürfte sich aber letztlich ebenso als verkehrt erweisen; schliesslich hat stummes Erdulden noch selten zu nötigen Veränderungen geführt.
So bleibt uns einmal mehr die Erkenntnis, dass Erfolg von Menschen gemacht oder eben auch verhindert wird. Wir sind daher stets aufs Neue auf- und herausgefordert, im Wissen um unsere Stärken und Schwächen, an der Verbesserung unserer Kritikfähigkeit im Geben wie im Nehmen zu arbeiten.
-nemo :-)
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