(18.06.04 23:02)

Endlich ist es soweit: Morgen machen wir den Laden für eine Woche dicht und fahren in den Urlaub – meine Frau, die Kinder, meine Mutter, mein Bruder und ich... mit Gepäck, viel Gepäck! Natürlich geht es am Tag vor der Abreise immer tüchtig hektisch zu – es ist fast wie in einem Projekt kurz vor dem Termin: plötzlich sind noch unzählige Dinge zu erledigen und der Tag hat mit einem Mal zu wenig Stunden. Und als ob das nicht genug wäre, schlägt Murphy unbarmherzig zu: Die für die Ferien neu gekauften Schuhe des Ältesten gehen nach nicht einmal zwei Stunden kaputt. Das heisst für meine Frau zurück in den Laden, um Ersatz zu erhalten. Dann rettet nur die routinierte Intuition meiner Frau unser Mittagessen davor, zu einem Stück ungeniessbarer Kohle zu werden; der Jüngste hat wieder einmal beschlossen, beim Kochen zu helfen und die Temperatur des Backofens auf die höchste Stufe zu drehen. Das Essen geht dann überraschender Weise ohne grössere Zwischenfälle über die Bühne.

Am Nachmittag ruft dann meine Mutter von ihrem Handy an. Eigentlich wollte sie ja bereits am Morgen kommen und meiner Frau bei den Urlaubsvorbereitungen helfen, aber wie so oft, ist ihr noch ein Termin dazwischen gekommen, so dass sie erst am Nachmittag kommen kann. Wie dem auch sei, meine Mutter verkündet etwas ausser Atem, dass sie mit ihrem Koffer vor der Türe stehe. Warum sie denn anrufe, wenn sie schon da sei, frage ich, nur um zu erfahren, dass sie ihre eigene Haustüre meint, die soeben ins Schloss gefallen sei. Aha, denke ich, Schlimmes ahnend ,und frage, warum sie das Bedürfnis verspüre, mir das mitzuteilen. Tja, der Hausschlüssel, der liege leider im Haus und ohne den komme sie nicht mehr hinein - draussen vor der Tür, sozusagen. Folglich komme sie also noch etwas später. Das solle ich doch bitte meiner Frau ausrichten. Die nimmt's gelassen und meint lediglich, dass sie eh alles so geplant habe, dass es auch ohne die Hilfe meiner Mutter gehe. Na, da kann doch mancher Projektmanager noch etwas lernen...

Im Büro geht mir die Arbeit derweil alles andere als flott von der Hand; es gibt noch soviel zu tun, und die Stunden vergehen wie im Fluge. Am Abend ist die Liste der zu erledigenden Dinge noch immer bedrohlich lang. Nach dem Abendessen also zurück an die Arbeit, damit wenigstens die aller wichtigsten Arbeiten noch erledigt sind. Gepackt habe ich noch immer nicht, was mir Schelte von der Familien-Chefin einträgt und für kurze Zeit zu einer Trübung des inner-familiären Klimas führt. Also gehe ich erst einmal brav packen. Daneben gilt es dann auch noch den von Vorfreude geprägten Übermut der Kinder zu dämpfen und unter Ausschöpfung des gesamten Autoritätsvorrates, den ich als Vater aufbringen kann, die beiden Racker dazu zu bringen, endlich Ruhe zu geben und zu schlafen.

Irgendwann schaffe ich es dann tatsächlich, meine Liste soweit zu reduzieren, dass ich mit einem einigermassen guten Gewissen den Arbeitstag für beendet erklären kann. Ziemlich müde aber in freudiger Erwartung meiner Ferien lösche ich das Licht im Büro – geschafft. Obwohl: Morgen wartet die wirkliche Herausforderung auf mich: Wo zum Teufel soll ich all das Gepäck in unserem Auto verstauen?

-nemo :-)

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