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(05.07.04 15:19)
Als Software-Entwickler sind wir Problemlöser von Berufes wegen. Daher dürfte uns die folgende Aussage eigentlich nicht überraschen: Es ist wichtiger, das richtige Problem zu kennen als eine richtige Lösung für ein Problem zu haben. Denn wenn wir das richtige Problem identifiziert haben, dann haben wir eine Chance, es auch zu lösen.
Leider tummeln sich in unserem Beruf noch immer viele Menschen, die mehr an raschen Lösungen für irgendein Problem interessiert sind und denen es einfach zu anstrengend ist, sich auf die Suche nach dem eigentlichen Problem in einer Fragestellung zu machen. Diese Haltung wird teilweise durch die vorherrschende Ergebnisorientierung und Fixierung auf die unmittelbare Belohnung noch gefördert. Wenn wir aber ein komplexe Fragestellung bewältigen wollen, dann müssen wir diesem Impuls, diesem Streben nach rascher Belohnung bewusst widerstehen. Es muss unser Ziel sein, ein intuitives Verständnis für das Eigentliche und Wesenhafte zu entwickeln, das einem Problem zu Grunde liegt; mit Hast und Halbwissen kommen wir nicht weiter.
Der versierte Problemlöser sucht die Einfachheit, konsequent und unerbittlich. Abstraktion – die Kunst des Weglassens oder wie Barbara Moo und Andrew Koenig sagen, selektive Ignoranz, ist ein wesentliches Hilfsmittel hierzu. Sie ist die Basis für Lösungen, die – wie Einstein treffend bemerkt hat, so einfach wie möglich aber nicht einfacher sind. Von einem Software-Entwickler kann und muss man erwarten, dass er zu abstrahieren vermag. Denn nur so lässt sich verhindern, dass unangemessene Vereinfachungen zu ungewollter Komplexität in der gewählten Lösungen führen. Das Spezielle muss mit den allgemeinen Elementen der gewählten Abstraktionen als Lösung erklärt und beschrieben werden können, sonst taugt die Abstraktion nichts.
Wir als Problemlöser sind hier in zweifacher Hinsicht gefordert: Zum einen müssen wir uns intensiv mit der jeweiligen Fachdomäne auseinander setzen und dabei eine Vielzahl von häufig auch widersprüchlichen Informationen verarbeiten, denn nicht selten ist das, was man unter dem Stichwort Geschäftslogik vorgesetzt bekommt, alles andere als logisch. Zum anderen müssen wir unser Verständnis dafür, was es heisst Probleme zu lösen, stetig weiter entwickeln und vertiefen. Wir müssen uns beim Problemlösen systematisch selber beobachten und dabei insbesondere unsere Metakognition laufend verfeinern. Wollen wir nämlich gute Problemlöser sein, dann müssen wir das Lösen von Problemen ebenso als Problem betrachten und uns – eben weil wir Problemlöser sind – bewusst mit unserem Denken und Handeln auseinander setzen. Das ist zwar oft unbequem, offenbart uns diese bewusste Auseinandersetzung mit uns selbst häufig unsere Schwächen und Unzulänglichkeiten. Doch gerade sie sind es, die es uns letztlich ermöglichen, unsere Problemlösefähigkeiten weiter zu entwickeln und zu verfeinern. Wer aus Furcht oder Eitelkeit darauf verzichtet, sich selbst kritisch zu beobachten und zu hinterfragen, tut seinen Kunden und letztlich auch sich selber keinen Gefallen.
Unser Job ist es, Probleme zu lösen. Und zwar nicht irgendwelche, sondern eben die richtigen. Wer versucht, den 100-Meterlauf zu gewinnen, indem er eine Abkürzung sucht, wird nicht nur das Rennen verlieren sondern verschwendet auch seine Zeit. Leider gibt es in unserer Branche noch immer zu viele Läufer, die anstatt zu trainieren, lieber nach Abkürzungen suchen.
-nemo :-)
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