(30.07.04 22:35)

Von Lichtenberg erfahren wir: "Du sollst nicht stehlen wollen", sagt der Pfarrer. Der Schlosser dagegen meint: "Du sollst nicht stehlen können".

Der Pfarrer glaubt an den guten Menschen, der Schlosser dagegen misstraut und handelt – aus Erfahrung und damit aus gutem Grund, wie es scheint. In unserer Lebens- und Arbeitswelt ist uns im Verlaufe der Zeit die Sichtweise des Schlossers mehr und mehr zur zweiten Natur geworden.

Vielleicht sollten wir es heute eher mit dem Pfarrer halten wollen und uns darum bemühen, ohne den Schlosser auszukommen. Ob als Teil der Gesellschaft oder als Mitglied in einem Team: Die Eigenverantwortung des Einzelnen kann sich ohne Vertrauen nicht entfalten.

Wenn es tatsächlich so ist, dass die Vernunft alleine genügt, um ein vernünftiges Wesen zu regieren, dann müssen wir alles dafür tun, dass der Mensch vernünftig sein kann und will. Nur, wenn der Mensch nie gelernt hat, wahrhaft vernünftig zu sein, wie kann er dann hoffen, dass sein Denken und Handeln von Vernunft regiert werde? Können wir es uns wirklich noch länger leisten, im Geiste des Schlossers erzogen zu werden und zu erziehen?

-nemo :-)

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