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(04.08.04 19:51)
Ich bin schockiert, traurig und endlich auch wütend genug, um ich mich nicht mehr einfach damit zu begnügen, das mit stillem Murren verbundene Ritual des Löschens wortlos zu vollziehen; genug ist genug!
Unscheinbar kommt sie daher, diese E-Mail, die eine unter vielen ist im schier endlosen Trommelfeuer der angebotenen Geschmacklosigkeiten, dem man sich als moderner Mensch täglich ausgesetzt sieht. Vom Spam-Filter korrekt erkannt wandert die Mail in den Spam-Ordner, damit das mittlerweile geübte menschliche Auge abschliessend bewerte, ob die Nachricht tatsächlich Datenmüll sei.
Ich weiss nicht welchem Zufall es zu verdanken ist, dass ich mir meinen Abend gründlich verdorben habe, und ich an dieser Stelle nicht über ein Fachthema schreibe sondern mit Brecht ausrufe: "Ich kann nicht soviel fressen, wie ich kotzen möchte!" Aus irgend einem Grund, ist mir die Mail aufgefallen, vielleicht, weil man als Vater irgendwie ein besonders Sensorium für an Kindern verübtes Unrecht entwickelt. Unverblümt wird in der E-Mail Kinderpornografie angeboten, direkt, klar, unmissverständlich und brutal, inklusive Link auf eine sogenannte Preview-Seite. Was ich dann getan habe, hat mich selber erstaunt: Ich habe den Link nämlich in meinen Opera-Browser kopiert und geöffnet...
Die Welt kann ein schlechter Ort sein, und ich bin alles andere als naiv. Aber irgendwie war ich dennoch nicht vorbereitet auf das, was ich dank High-Speed Internet nur Sekunden später zu sehen bekam: Kinder dargeboten wie Ware, geschunden, gedemütigt und verletzt. Ich habe ehrlich gesagt nicht lange genug hingeschaut, um mich an die Details der mit zum Sexobjekt degradierten kleinen Menschen übersäten Seite zu erinnern. Aber an das beklemmende Gefühl, an den Klos im Hals und die Wut, die ich bei diesem Anblick fühlte, an die erinnere ich mich!
In diesem Moment und den Augenblicken danach fühlte ich mich schrecklich hilflos und fragte mich, was ich tun konnte. Auf eigene Faust zu recherchieren ist keine besonders schlaue Idee, denn der Besitz von Kinderpornografie ist - Gesetz sei Dank - verboten. Also blieb nur eines, nämlich den Behörden Meldung zu erstatten. Dank Google fand ich das betreffende Meldeformular für die Schweiz über den Umweg des bei heise.de veröffentlichten Melderegisters sehr rasch.
Nachdem ich die E-Mail mit Absender-Adresse und Inhalt gemeldet hatte, fühlte ich mich ein wenig besser; die Traurigkeit und die Wut aber sind geblieben.
Ich weiss nicht, was Menschen umtreibt, die Kinder so ausbeuten und verletzen, und ich bin schlicht nicht krank genug, um mich in die Konsumenten hinein zu versetzen, die sich an solchen Bildern sabbernd und geifernd aufgeilen. Aber eines weiss ich: Diese Menschen haben sich bewusst ausserhalb des sozialen und ethischen, die Menschen einenden, Kontrakts begeben; sie verdienen daher weder Schonung noch Verständnis!
In meinem letzten Beitrag habe ich mir so meine Gedanken zum Thema Vertrauen und Vernunft gemacht und die Frage gestellt, ob die Sicht des Schlossers in unserer Gesellschaft tatsächlich angemessen sei. Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass die Vernunft siegen kann und sich unser Vertrauen in Menschen letztlich auszahlen wird. Doch Menschen, die anderen Menschen bewusst und willentlich Schaden zufügen, um sich selber zu bereichern oder um ihre Triebe zu befriedigen, pervertieren das Menschsein. Sie sind es, die den Schlosser in unserer Welt leider noch viel zu häufig nötig machen.
Ich habe eigentlich einen erfolgreichen Tag hinter mir, und ich hätte gerne über etwas Erfreuliches geschrieben. Eine lausige E-Mail zutiefst gestörter und kranker Menschen, geschrieben für Menschen ebensolcher Natur, hat mir meine gute Laune gründlich verdorben. Ich danke dem Schicksal dafür, dass unsere Kinder wohlbehalten in ihren Betten liegen und schlafen, und ich trauere um die Kinder, die ihres Kindseins auf immer beraubt sind und ein Leben lang versehrt sein werden.
-nemo :-(
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