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(14.11.04 20:34)
Ein Mann geht zum Arzt, weil er schmerzen hat. Der Arzt untersucht ihn und stellt fest, dass er an Krebs erkrankt ist. Wenn der Mann sich sofort einer Behandlung unterzieht, stehen sein Chancen sehr gut, völlig gesund zu werden. Die vorgeschlagene Behandlung ist aber unangenehm und braucht Zeit.
Eine Frau wird schwanger. Sie weiss, dass eine normale Schwangerschaft neun Monate dauert; dies bestätigt auch ihr Arzt.
Ein zu Übergewicht neigender Herr mittleren Alters hat einen systolischen Blutdruck von über 180 mmHg. Aufgrund dieses Wertes und der erhobenen Anamnese ergibt sich eine klare Diagnose: Bluthochdruck, Stadium 3 aufgrund schlechter Ernährung, zu wenig Bewegung und zuviel Stress. Eine Änderung der Lebensgewohnheiten ist unabdingbar, denn die Erkrankung ist lebensbedrohend.
Der Mann, die Schwangere und der Herr mittleren Alters, sie alle kennen die Fakten, akzeptieren sie und richten sich danach: der Krebskranke wird sich behandeln lassen, die Schwangere ihr Kind zur Reife tragen und der an Bluthochdruck Leidende wird seine Gewohnheiten ändern und Liebgewonnenes wie Verhasstes gleichermassen hinter sich lassen...
Ausser, die drei gehören dem Berufsstand des Managers an! Denn dann könnte gut Folgendes geschehen:
Der Krebskranke wird sich bei seinem Arzt darüber beklagen, die präsentierten Alternativen seien inakzeptabel und die Androhung des Todes bei nicht Eintreten auf die vom Arzt vorgeschlagene Behandlung pure Erpressung. Er wird vom Arzt verlangen, seine Diagnose und die Behandlungsvorschläge noch einmal gründlich zu überdenken und weitere Alternativen in Betracht zu ziehen und binnen 24 Stunden zu präsentieren.
Die Schwangere wird erklären, dass es sie nicht interessiere, wie lange eine Schwangerschaft bei anderen dauere, denn sie beabsichtige die Time To Market ihres Kindes auf unter 6 Monate zu reduzieren und erwarte vom Arzt entsprechende Vorschläge. Seine Erklärungsversuche und Vernunftsappelle lässt sie nicht gelten und auch den Hinweis auf die gesundheitlichen Risiken für das Kind bei einer Frühgeburt will sie nicht hören – 6 Monate, das ist ihr letztes Wort!
Der Herr mittleren Alters wird mit dem Arzt um die Blutdruckwerte feilschen und nachdrücklich festhalten, dass er die Einschätzung nicht akzeptiere, wonach ein systolischer Blutdruck von 180 als hypertonisch zu gelten habe. Das sei vielleicht bei anderen so, doch für ihn würden eben andere Regeln gelten. Er lehnt es daher rundheraus ab, an Bluthochdruck zu leiden – er akzeptiert den Wert 180, lehnt aber seine Interpretation durch den Arzt kategorisch ab.
Übertrieben? Vielleicht! Überzeichnet? Wahrscheinlich! Und wahr? Zumindest nicht völlig gelogen! Während wohl die wenigsten Manager die hier beschriebenen „Doktorspiele„ tatsächlich spielen würden, tun sie dies im übertragenen Sinne in ihrem beruflichen Alltag mit schöner Regelmässigkeit. Nicht nur deswegen fällt es vielen Menschen heute oft schwer, Manager ernst zu nehmen und zu respektieren.
-nemo :-)
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