 |
(10.12.04 08:55)
Die Planung und Durchführung eines Softwareprojekts ist wahrlich kein Zuckerschlecken! Denn wie alle kreativen und schöpferischen Tätigkeiten lässt sich das Entwickeln von Software nur sehr schwer planen, zumindest im traditionellen Sinn. Wer Software entwickelt weiss das und richtet sich darauf ein. Doch gerade Managements, die mit den Herausforderungen der Softwareentwicklung nicht vertraut sind, fällt es meist sehr schwer, diese unangenehme Tatsache nach zu vollziehen und zu akzeptieren . Das führt dann häufig dazu, dass mit untauglichen Methoden versucht wird, die durch ein Softwareprojekt entstehenden Risiken in den Griff zu bekommen; die Folge: das Risiko des Scheiterns wird ungewollt vergrössert.
Nach all den Jahren in meinem Beruf erstaunt es mich immer wieder, wie gekonnt in vielen Unternehmen der Samen des Misslingens schon sehr früh im Projektverlauf gelegt wird; es scheint manchmal fast so, als ob der Teufel höchst persönlich dafür gesorgt hat, dass Manager mit den nötigen destruktiven und kontraproduktiven Techniken vertraut sind, um Menschen bleibend zu demotivieren und Projekte in Schieflage zu bringen.Tragischer weise hat es der Teufel dabei auch geschafft, dass viele Manager das Gefühl haben, sie täten das Richtige. Menschen halten bekanntlich diejenige Halluzination für Realität, die sie am beständigsten hervorbringen und von der andere Menschen ihnen bestätigen, dass es sich um Realität handle. Diesen Umstand spielt dem Teufel in die Hände, denn da Manager meist den Grossteil ihre Zeit mir Ihresgleichen zusammen sind, wird die gemeinsame Halluzination ohne sein Zutun zur ihrer einzig wahr genommenen, ja gar wahrnehmbaren Realität.
Die grössten Probleme bei unserer Arbeit sind nicht technische sondern soziologische Probleme. Viele Manager geben denn auch zu, dass sie mehr Probleme mit Mitarbeitern als technische Schwierigkeiten haben; nur verhalten sie sich nicht entsprechend. Sie handeln im Gegenteil so, als ob technische Schwierigkeiten ihre grössten Probleme wären.
Viele Manager vergessen in ihrem Alltag eine einfache Tatsache: Unsere Erfolge sind auf gute menschliche Zusammenarbeit zurückzuführen, und unser Scheitern resultiert aus schlechter menschlicher Zusammenarbeit. Wichtige Voraussetzungen für die gute menschliche Zusammenarbeit sind Vertrauen, Spass und Freude bei der Arbeit, Eigenverantwortung und Selbstdisziplin. Die moderne Managementlehre spricht hier gerne von den so genannten „Soft Factors„ und betont auch immer wieder ihre Wichtigkeit. Doch leider kümmern sich viele Manager lieber um Dinge wie Technik, Prozesse und Vorschriften und vernachlässigen systematisch die psychologischen und soziologischen Aspekte ihres Berufs. Warum das so ist? Es liegt nicht daran, dass diese „technischen Dinge„ wichtiger sind, sondern daran, dass sie einfacher zu handhaben sind. Menschliche Beziehungen sind komplex und nicht einfach zu verstehen. Die Installation einer neuen Software oder der Erlass einer neuen Vorschrift fallen da schon wesentlich leichter.
Tom DeMarco und Timothy Lister (Wien wartet auf dich!) bringen es auf den Punkt: "Wenn Sie sich dabei ertappen, dass Sie sich mehr auf die technischen als auf die soziologischen Aspekte konzentrieren, dann verhalten Sie sich wie die bekannte Witzfigur, die ihren Schlüssel in einer dunklen Strasse verloren hat, aber in der benachbarten Strasse sucht, 'weil dort die Strassenbeleuchtung besser ist'."
-nemo :-)
Über diesen Artikel diskutieren.
|
 |