(15.05.05 10:40)

Gestern bei einem guten Glas Wein haben zwei Bekannte von ihren Erfahrungen im beruflichen Alltag erzählt; beide haben vor kurzem eine neue Stelle angetreten, der eine in einem Krankenhaus, der andere in der pharmazeutischen Forschung. Und beide haben davon berichtet, wie gefährlich das Äussern der eigenen Meinung sein kann, wenn sie von der allgemein akzeptierten Meinung, d.h. von der Meinung Vorgesetzter und Entscheidungsträger abweicht. Das Fazit der beiden: besser den Mund halten, denn sonst kann es einem durchaus blühen, dass man seinen Job verliert oder solange gepiesackt wird, bis man selber das Feld räumt.

So scheint zu gelten: Deine fachliche Kompetenz endet dort, wo die Eitelkeit eines Entscheidungsträgers beginnt. Oder anders: Der Nutzen deines Fachwissens für die Firma ist begrenzt durch das Mass an Sozialkompetenz der durch dein Wissen tangierten Entscheidungsträger. Sei also nicht zu schlau und sei dir stets bewusst, dass es in jedem grösseren Unternehmen Seilschaften und graue Eminenzen gibt, deren Missbilligung du besser nicht auf dich ziehst.

Beim Lauschen der alles andere als lauschigen Berichte meiner Bekannten, ist mir wieder einmal klar geworden, warum ich mich vor 10 Jahren selbständig gemacht habe, und warum ich diese Entscheidung bis heute nicht bereue. Obwohl ich damals eines durchaus nicht bedacht habe: Wer angestellt ist, der hat einen Chef. Wer selbständig ist, hat so viele Chefs, wie er Kunden hat. Und die reagieren auf zu viel Kompetenz und gut gemeinte Vorschläge unter Umständen genauso empfindlich; aber darüber habe ich mir ja auch schon so meine Gedanken gemacht.

-nemo :-)

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